Zum Ausbildungsstart: Unternehmen haben immer größere Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen

Osnabrück, 31. Juli 2019.

Für viele Personen steht ein neuer Lebensabschnitt unmittelbar bevor: Am 01.08. beginnen sie eine duale Ausbildung. Aus Anlass des offiziellen Starts des neuen Ausbildungsjahrs hat der Industrielle Arbeitgeberverband Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim (IAV) auch in diesem Jahr seine Mitglieder befragt.

Bei den Ergebnissen wechseln sich Licht und Schatten ab. Während 2018 6,5 % der Unternehmen gar nicht ausgebildet haben, sind es 2019 nur noch 5,9 %. Zusätzlich haben die Ausbildungsbetriebe sowohl im kaufmännischen als auch im gewerblich-technischen Bereich erneut mehr Plätze angeboten. Während im letzten Jahr in beiden Bereichen auch mehr Verträge abgeschlossen werden konnten, ist die Zahl bei abgeschlossenen Verträgen in kaufmännischen Ausbildungsberufen dieses Jahr rückläufig. Überdeutlich wird, dass Unternehmen immer öfter Probleme haben, alle angebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen, obwohl die Unternehmen Gegenmaßnahmen wie den Ausbau von zielgruppengerechten Marketingmaßnahmen oder Kooperationen mit Schulen ergriffen haben: Im kaufmännischen Bereich blieben 30 % unbesetzt, letztes Jahr waren es nur knapp 10 %. Noch gravierender ist die Situation in den gewerblich-technischen Ausbildungsberufen: Der negative Trend der letzten Jahre hat sich noch weiter fortgesetzt. 2019 blieben hier 54,4 % der Ausbildungsplätze unbesetzt (im Vergleich zum Vorjahr: + 10,2 %). Gefragt nach den Gründen, gaben die Unternehmen an, dass insbesondere drei Faktoren dafür eine Rolle spielten: Entweder es lagen gar keine oder keine geeigneten Bewerbungen vor, oder die bereits unterschriebenen Ausbildungsverträge wurden von den künftigen Auszubildenden schon vor Beginn bereits wieder gekündigt. „Es ist eine Besorgnis erregende Entwicklung, wie sich die Schere zwischen Angebot und Nachfrage von Ausbildungsplätzen immer weiter auftut. Die betriebliche Ausbildung ist und bleibt wesentlicher Bestandteil zur Sicherung unseres Fachkräftebedarfs, um auch zukünftig im globalen Wettbewerb mitmischen zu können“, macht IAV-Hauptgeschäftsführer Axel Busch deutlich.

Und die Sorgen sind nicht unbegründet: Für die Zukunft sehen 72 % der Unternehmen weitere Nachwuchssorgen auf sich zukommen – davon fast 65 % in gewerblich-technischen Ausbildungsberufen. Dennoch planen für das Jahr 2020 21,3 % der Unternehmen, mehr Ausbildungsplätze anzubieten, 72,3 % streben das gleiche Niveau wie dieses Jahr an. 2020 wird sich auch bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen zeigen, welchen Effekt der fehlende Abiturjahrgang an allgemeinbildenden Gymnasien aufgrund der Rückkehr von G8 auf G9 haben wird. Auch die AMAZONEN-Werke sehen diese Entwicklungen am Ausbildungsmarkt auf sich zukommen. Das Unternehmen legt bei der Nachwuchsgewinnung daher großen Wert auf den direkten Kontakt mit Schülerinnen und Schülern. Hierbei unterstützen beispielsweise auch die eigenen Auszubildenden als Ausbildungsbotschafter. „Durch die enge Zusammenarbeit mit Schulen in Form von Berufsfelderkundungen, Bewerbertrainings und insbesondere unserer Roadshow, bauen wir frühzeitig Kontakt zu potenziellen Auszubildenden auf, bieten Unterstützung bei der Berufsorientierung und -vorbereitung und präsentieren uns auf Augenhöhe als künftigen Arbeitgeber“, sagt René Hüggelmeier, Personalleiter.

Auch zu zwei Aspekten des ins parlamentarische Gesetzgebungsverfahren eingebrachten Regierungsentwurfs eines Berufsbildungsmodernisierungsgesetzes haben die befragten Unternehmen eine Meinung: Die geplante Einführung einer Mindestausbildungsvergütung befürworten 86,7 % der Befragten. Begründet wird dies damit, dass die in den IAV-Mitgliedsunternehmen gezahlte Vergütung schon jetzt oberhalb der geplanten 515 € pro Monat im ersten Ausbildungsjahr liegt. Gleichzeitig sehen die Firmen darin die Chance, die Attraktivität der beruflichen Ausbildung zu steigern. Im Gegensatz dazu lehnen 77,5 % der Befragten die Einführung der neuen Abschlussbezeichnungen „Bachelor Professional“ und „Master Professional“ nach Fortbildungen ab. Die bestehenden Abschlussbezeichnungen haben sich bewährt; neue Bezeichnungen würden für Verwirrung sorgen und eine Unterscheidung bzw. Vergleichbarkeit der Abschlüsse unübersichtlich machen, so die Resonanz.