Industrie in der Region leidet unter wirtschaftlichen Corona-Auswirkungen, befürwortet Konjunkturpaket als Impulsgeber und fordert Flexibilität
Jahreshauptversammlungen der Arbeitgeberverbände

Osnabrück, 15.06.2020.

Anstelle vieler Gäste und Festvortrag ein kleinerer Rahmen für verbandliche Regularien und weiter Sitzabstand: Heute fanden im Osnabrücker Haus der Industrie die Jahreshauptversammlungen des Industriellen Arbeitgeberverbands Osnabrück -Emsland - Grafschaft Bentheim (IAV) und der NiedersachsenMetall-Bezirksgruppe Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim statt.

Die Verbände seien mit ihrer arbeitsrechtlichen Beratung in den letzten Wochen stark gefragt, verdeutlichte IAV-Hauptgeschäftsführer Axel Busch die stark gestiegene Nachfrage nach arbeitsrechtlicher Beratung und aktuellen Informationen rund um Corona. Doch auch bereits in den vergangenen Jahren sind die Verbände auf Wachstumskurs und bilanzieren eine positive Mitgliederentwicklung: Nach einem Wachstum um 30 % innerhalb der letzten 5 Jahre vertritt der IAV mittlerweile über 400 Unternehmen mit mehr als 120.000 Mitarbeitenden in der Region. „Unsere Mitglieder profitieren gerade in Krisenzeiten von unserem Know-how und schätzen die Informations- und Beratungstiefe, die wir bieten. Das macht uns zu einer anerkannten Stimme der Unternehmen in der Region“, hob Busch hervor.

Dass die Krise an der Industrie und den industrienahen Dienstleistern der Region nicht spurlos vorübergeht, zeigt auch eine aktuelle Mitgliederumfrage des IAV. Das Stimmungsbild verdeutlicht Nachfragerückgänge und eine sinkende Kapazitätsauslastung bei 80 % der Unternehmen. Kurzarbeit wird als Instrument der Beschäftigungssicherung ebenso genutzt wie die vielfältigen Instrumente, die die Liquidität der Betriebe sichern sollen. Das aktuelle Konjunkturpaket bewertet Olaf Piepenbrock, Geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Unternehmensgruppe und IAV-Vorstandsvorsitzender, angesichts der drohenden schweren Rezession insgesamt positiv: „Es geht jetzt darum, Impulse für eine zügige Reaktivierung nach dem Shutdown zu setzen. Wir brauchen ein positives Konsum- und Investitionsklima in Deutschland, um eine Abwärtsspirale zu vermeiden und die globalen Rückkopplungen der Coronakrise so gut wie möglich abzufedern“, so Piepenbrock.

Die Regierung habe Handlungsfähigkeit gezeigt und mit dem milliardenschweren Paket gute Ansätze auf den Weg gebracht. „Nach vorne hin müssen wir kreativ unterwegs sein, um nicht nur die aktuelle Krise zu überwinden, sondern auch den Strukturwandel voranzubringen. Auch deshalb ist es wichtig, dass Unternehmen nicht zusätzlich belastet werden – ein Anstieg von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen muss vermieden werden“, forderte Piepenbrock.

Dem stimmte auch Andrea Henning zu, Vorstandsvorsitzende der regionalen Bezirksgruppe von NiedersachsenMetall und Leiterin des Personalressorts der Division C des Automobil-zulieferers ZF Friedrichshafen AG in Lemförde. Es sei wichtig, die Liquidität der Unternehmen zu erhalten und damit insbesondere ihre Innovationskraft zu stärken. „Wir erleben in der Metall- und Elektroindustrie eine notwendige Transformation hin zu neuen Verfahren, Produkten und Geschäftsmodellen, die uns jetzt und in Zukunft stark fordert, denn der internationale Wettbewerbsdruck wird auch durch Corona nicht weniger“, so Henning. Die Hauptaufgabe sei es jetzt, parallel zur Bewältigung der Pandemie-Auswirkungen die Mobilitäts- und Energiewende zu gestalten.

„Die Industrie in Deutschland ist nach wie vor ein wesentlicher Treiber von Fortschritt und steht für einen großen Teil der Arbeitsplätze, auch hier in unserer Region. Was unsere Firmen da brauchen, sind wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen, die unterstützen und helfen; aber nicht durch Überregulierung einengen. Beispielsweise haben wir in der Krise vielfach mit dem – ja bereits in vielen Unternehmen bewährten – Arbeiten im Homeoffice oder in mobiler Arbeit weitere gute Erfahrungen gemacht; auch mit einer Ausweitung über den bisherigen Umfang hinaus.

Wer glaubt, dass uns jetzt ein allgemeines Recht auf Homeoffice oder ein generelles Verbot von Werkverträgen oder Zeitarbeit voranbringt, irrt. Homeoffice und mobiles Arbeiten können und müssen dort eingesetzt werden, wo es für die Mitarbeiter und die Arbeitsaufgabe sinnvoll ist. Werkverträge und Zeitarbeit sind grundsätzlich rechtlich und betriebswirtschaftlich bewährte Instrumente, ihre Rahmenbedingungen müssen angemessen ausgestaltet werden. Wie dies in Branchen oder einzelnen Unternehmen umzusetzen ist, kann auf betrieblicher oder tariflicher Ebene geregelt werden. Was wir am Standort Deutschland brauchen, ist vor allem Flexibilität - das ist das wichtigste, um Arbeitsplätze zu sichern“, bekräftigte Henning.

Positiv hob die Bezirksgruppenvorsitzende dazu hervor, dass es in der Tarifrunde zu Jahresanfang gelungen sei, mit der IG Metall effektive tarifvertragliche Instrumente ohne eine Tarifanhebung zu vereinbaren, um den Unternehmen Luft zum Atmen zu verschaffen. Sie hoffe sehr, dass dieses Augenmaß des Sozialpartners auch in die nächste Tarifrunde Anfang 2021 hineinreiche, da bis dahin mit Sicherheit nicht alle Schwierigkeiten überwunden seien.